Wahrnehmung und Realität

Jedes Ereignis wird von einem außenstehenden Beobachter mit einer gewissen Zeitverzögerung wahrgenommen. Wenn man es genau nimmt, dann wird sogar das aktuelle Ereignis, das der Verursacher an seinem Ort auslöst, von ihm selbst mit der zwar sehr geringen Zeitverzögerung wahrgenommen, die sich durch die Laufzeit in seinen Nerven ergibt. Aber folgendes Beispiel zeigt, dass diese Zeitverzögerungen, je nachdem, wie die Meldung des Ereignisses erfolgt, erheblich sein kann.

Nimmt man also zum Beispiel die Explosion einer Bombe, zu der in verschiedenen Abständen mit Papier bespannte Rahmen aufgestellt sind. Die Bespannung in einem, in unmittelbarer Nähe aufgestellten Rahmen wird von der Explosion sofort zerfetzt, während sie in einem weiter entfernten Rahmen von einigen Splittern durchlöchert wird, nachdem sie zunächst vom Explosionsblitz erleuchtet und später von der Schall-, bzw. Druckwelle bewegt wurde. Sehr weit entfernte Rahmen, insbesondere wenn sie sich hinter dem Horizont befinden, werden überhaupt nicht tangiert.

Der normale Beobachter ist davon nicht irritiert, sondern schließt aus seiner Erfahrung, dass vor kurzer Zeit eine Explosion stattgefunden hat und kann den aktuellen Zeitpunkt der Explosion beurteilen, bzw. berechnen. Er weiß auch, dass sich Lichtblitz, Druck- und Schallwelle, sowie Splitter kugelförmig um den Explosionsherd ausbreiten. Dadurch wird deren Intensität, je weiter entfernt, um so geringer. In sehr großer Entfernung ist die Wahrscheinlichkeit, von einem Splitter getroffen zu werden sehr gering, abgesehen davon, dass die Flugbahn der Splitter wegen der Erdbeschleunigung ohnehin nicht gradlinig ist. Allerdings ist der Beobachter auch in der Lage, Schlüsse auf den Explosionsort zu ziehen, wenn er den Schall nur hört, oder ihn der Lichtblitz über Spiegelung trifft.

Wenn der Beobachter dieses Ereignis überlebt, ist es jedoch schon längst geschehen. Das heißt, er bekommt also nur eine Meldung, bzw. Signale des realen Ereignisses und kann auf das reale Ereignis im Nachhinein selbst schließen. Je weiter das reale Ereignis vergangen ist, bzw. je länger es zurückliegt, um so weniger deutlich werden die Signale. Der Beobachter ist gewissermaßen ein Punkt auf der Kugelschale mit dem Radius der Entfernung vom beobachteten Objekt und erhält somit nur einen Bruchteil aller ausgesandten Signale.

Im Fall von sehr weit entfernten Sternen stehen ihm nur die ihn unmittelbar treffenden Lichtstrahlen für die Beobachtung zur Verfügung. Aus dieser winzigen Menge von Informationen muss er sich ein Bild über ein reales Ereignis machen, das zum großen Teil vor Jahrmillionen stattfand. Sich über den aktuellen Zustand des Objektes Gedanken zu machen, ist illusorisch. Aber im Prinzip gilt das ebenso für Objekte, die dem Beobachter näher stehen. Er wird auch hier den aktuellen Zustand des Objektes grundsätzlich erst erfahren, wenn die Aktualität vorbei ist, nur sind die Zeitspannen im menschlichen Leben so kurz, dass die Veränderungen im interessierenden Zeitraum nicht besonders relevant sind. So genügen ihm häufig genug indirekte Signale (Funkspruch, Zeitungsmeldung, etc.) für seine Information, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass die gemeldete Aktualität längst von anderen Aktualitäten überholt sein kann.

In den Abläufen des normalen Tagesgeschehens wird aber niemand auf den Gedanken kommen, diese Ereignisse als irreal zu bezeichnen, nur weil sie bereits vergangen, bzw. geschehen sind, bis die Meldung den Beobachter erreicht. Die Schwierigkeit beginnt dort, wo Meldungen des realen Geschehens beim besten Willen die Menschheit (den Beobachter) nicht mehr erreichen, weil eben die Laufzeiten der Signale historische Zeiträume bei weitem übersteigen. Man gibt sich notgedrungen damit zufrieden, das längst vergangene Ereignis zu registrieren und den realen Zustand des Objektes zu ignorieren, wenn es wegen der minimalen Signalausbeute nicht möglich ist, auf den realen Istzustand des Objektes hochzurechnen oder zu spekulieren. Dennoch gibt es einen realen Zustand, im Extremfall Nichtexistenz des Objektes, der aber dem Beobachter verborgen bleiben muss.

Es ist also richtig, dass der Beobachter Ereignisse beobachtet, die je nach Entfernung kürzere oder längere Zeit vergangen sind. So befindet sich z. B. die Sonne auf einem Punkt der Beobachtungsebene einer Kugelfläche mit dem Radius von ca. 8 Zeitminuten. D. h. der Beobachter sieht also immer die Ereignisse mit einer Verspätung von 8 Minuten. Für Sirius beträgt die Zeitdifferenz bereits etwa 7 Jahre. Insofern ist der beobachtbare Raum zeitlich verzerrt, der Raum gekrümmt. Trotzdem ist anzunehmen, was durch spätere Beobachtungen bisher auch immer bestätigt wurde, dass zum Zeitpunkt der Beobachtung auch am beobachteten Objekt ein reales Ereignis stattfindet, dessen Signal auf direktem Weg zum Beobachter eilt.

Selbst die Feststellung, dass Licht durch große Massen abgelenkt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass sich das Objekt an seinem realen Standort, nur wegen der Krümmung der Lichtstrahlen, bzw. Signalwege anscheinend an einem anderen Standort befindet. Nur weil der Beobachter Schwierigkeiten bei Festlegung des Objektstandortes und Beobachtung des aktuellen Objektereignisses hat, Realitäten zu leugnen, die früher oder später bekannt werden, ist nicht zulässig.

Jedes Ereignis sendet Signale (Licht, Schall, Teile, etc.) aus, die zentral vom Ereignisort wegstreben und zwar gradlinig, wenn sie nicht durch andere Einflüsse, wie Schwerkraft, Luftwiderstand, etc. abgelenkt werden. Jedes Signal trägt eine individuelle, unveränderbare Information mit sich. Gelänge es, als Beobachter dieses Signal zu begleiten (d. h. Flucht des Beobachters vom Objekt weg), wäre man nicht in der Lage, eine Veränderung des Signals oder dessen Information festzustellen. Gelänge es, als Beobachter dieses Signal zu überholen, dann würde man die vorhergehende Information beobachten können, allerdings wäre die Signaldichte dann geringer und somit die Information undeutlicher. Man wäre somit in der Lage, die Vergangenheit so lange zu beobachten, wenn auch immer dürftiger, bis man an der Initialinformation ankommt. Dann allerdings würden Informationen über das Ereignis aufhören, weil es sich davor nicht ereignet hat.

Umgekehrt ist es ähnlich. Eilt der Beobachter einer Information entgegen (d. h. Kollisionskurs), dann komprimieren sich die Signale und die Informationen. Die Einzelsignale erreichen ihn immer schneller und mit höherer Dichte, bis er am Ort des Geschehens ist und das Ereignis unmittelbar und aktuell erlebt. Aktueller als aktuell aber geht es nicht, denn ein Ereignis, das noch nicht stattgefunden hat, kann auch nicht beobachtet werden. Gelänge es einem Beobachter, mit Lichtgeschwindigkeit in Richtung Sonne zu fliegen, dann wüsste er nach ca. 8 Minuten (oder auch nicht), was dort aktuell passiert.

Aus diesen Überlegungen folgt, dass es theoretisch wohl möglich wäre, die Vergangenheit zu beobachten, wenn der historisierende Blick auf Informationen aus der Vergangenheit nicht ausreichend erscheint; aber es ist unmöglich, die Zukunft und noch nicht stattgefundene Signale mit deren Informationen zu beobachten. Eine Zeitmaschine mit der Möglichkeit, die Zukunft zu betrachten, ist also irreal. Selbst eine Zeitmaschine für Betrachtung der Vergangenheit ist illusorisch, da man sich auf jeden Fall in Richtung der davoneilenden Signale mit höherer Geschwindigkeit als diese bewegen müsste, und das alles auf Kosten der Deutlichkeit der Informationen.

Es ist jedoch völlig undenkbar, dass ein Beobachter die von ihm selbst ausgehenden Signale verfolgt, oder ihnen gar entgegenkommt, ebenso wie eine Masse nicht das von ihr ausgehende Gravitationsfeld verfolgen, oder gar überholen kann. Der Sender von Signalen bildet zusammen mit diesen Signalen ein Inertialsystem. Der Sender selbst kann nicht feststellen (bei gleichmäßiger Geschwindigkeit), ob und wie schnell er sich bewegt. Die eigenen Signale verlassen ihn stets in konstanter Geschwindigkeit c.

Photonen oder Photonenfeld ?

Nun stellt sich die Frage, ob die sogenannte „Äthertheorie“ nicht doch ein Körnchen Wahrheit enthält. Es ist nach herrschender Lehrmeinung unstrittig, dass Photonen mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum rasen. Das würde aber bedeuten, dass der Raum mit Photonen erfüllt wäre. Nimmt man beispielsweise an, dass Licht aus ungefähr 5*1014 Pulsen (Energiepaketen, Quanten oder Photonen) pro Sekunde besteht, was einer Wellenlänge oder Abstand der Photonen von rund  6*10-7 [m] entspricht. Dann befänden sich in einem Raum von V ≈ (6*10-7)3 ≈ 2*10-19  [m3] im Schnitt ein Photon, das selbst eine Masse von m ≈ 3*10-36  [kg] besitzt. Insgesamt entspräche das einer Dichte von r ≈ 1,5*10-17  [kg/m3], bez. einem Ultrahochvakuum.

Prinzipiell besteht aber kein Unterschied, ob der Raum von einem stationären Photonenfeld erfüllt wäre, das Impulse weitergibt, das es von einer Lichtquelle erhält, oder die Photonen durch den Raum eilen. Diese Impulse breiten sich in Lichtgeschwindigkeit wellenförmig aus, - auch weil die Photonen nahezu masselos sind -, und zwar in Richtung niedrigeren Energieniveaus. Die Wellenstruktur wird erzielt, weil die Lichtenergie nicht kontinuierlich, sondern in Energiepaketen (Quanten) von der Quelle abgegeben wird. Diese Vorstellung widerspricht keineswegs dem MICHELSON-MORLEY-Experiment; aber bei diesem Experiment sollte doch, zumindest eine winzige (in der vorgenommenen Versuchsanordnung), Rot- oder Blauverschiebung des Lichts beobachtet werden.

Durch die Richtung des Feldes (abnehmendes Energieniveau) sollte sich eventuell eine Art Entropie für Licht, bzw. Zeit postulieren lassen; dadurch auch eventuell die Unmöglichkeit eines perpetuum mobile der Zeit (Zeitmaschine für Zukunft oder Vergangenheit).

Im übrigen scheint es nicht allzu plausibel, für Licht die Ausnahmeregelung zu suchen, es sei ein Zwitter von Teilchen und Wellen. Schall ist ebensogut Welle und Teilchen. Ohne Materie zwischen Quelle und Empfänger kein Schall(-druck) und keine Schallwellen. Es ist recht hilfreich, die Parallelen von Feldern(1) zu vergleichen.

Man sollte sich auch klar darüber sein, dass Licht  im Grunde eine subjektive Wahrnehmung des dafür in der Evolution entwickelten Sinnesorgans ist. Durch eine, wie auch immer beschaffene, Energiezufuhr werden Nerven stimuliert, die im Zentralnervensystem den Eindruck von Umweltwahrnehmung erzeugen, den wir als Licht bezeichnen. Wie andere Individuen oder Lebewesen diesen Eindruck empfinden (schwarzweiß, undeutlich, anders, seitenverkehrt, etc.), entzieht sich weitgehend unserer Kenntnis. Es bleibt aber die Tatsache der Reizung der Detektoren (z. B. Augen) durch äußere Einflüsse, ob nun Photonen mit Lichtgeschwindigkeit auf die Netzhaut prallen, oder nur wellenförmige Impulse von Photonen die Netzhaut stimulieren.

Andererseits muss festgestellt werden, dass Licht ohne Detektor quasi nicht existent ist. Es sind zwar Wellen, Photonen, Pulse (oder wie man das nennen mag) im Raum, aber lösen keinen Reiz aus, solange sie nicht auf einen, sie offenbar machenden Detektor treffen. So ein Detektor ist das menschliche Auge. Das sieht aber nur, was unmittelbar einen Reiz auf dessen Netzhaut auslöst. Alles andere ist für die menschlichen Sinne nicht existent, es sei denn, das Individuum hat andere Möglichkeiten der Wahrnehmung (Gehör, Gefühl, Tastsinn, Geschmack, etc.)

Zitat (2) :

Die physikalische Realität des Feldes wird noch deutlicher werden, wenn wir uns mit der Quantenmechanik beschäftigen. Dann werden wir sehen, dass das Strahlungsfeld aus physikalischen Teilchen besteht, die Photonen genannt werden und die genauso real existieren wie Elektronen und Protonen. Jedes Photon hat die Energie U = h*f und den Impuls p = h*f / c.

Zitat Ende.

h = 6,63 * 10 -34 [Js];

fc(mittel) ≈ 5 * 1014 [s-1];

p ≈ 1,1 * 10-27 [Ns];

UPhoton ≈ 3,3 * 10-19 [J];

Nun stellt sich wiederum die Frage: Bewegen sich die Photonen mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum, oder geben sie den Impuls mit Lichtgeschwindigkeit weiter, wobei sie sich quasi wie angestoßene Billardkugeln verhalten? Weiter: warum ist das Feld wie bei einer einzelnen Punktladung, d. h. gradlinig und ohne Krümmung, und was ist die treibende Kraft, d. h. warum pflanzen sich die Impulse nur in der Richtung fallender Temperatur fort. Weiter: was geschieht mit der ins Leere laufenden Energie, d. h. also mit Impulsen, die kein Ziel im Weltraum treffen. Wie kann dieser Energieanteil abgeschätzt werden und ist er möglicherweise so groß, wie die von HAWKING geschätzten Beträge.


(1) siehe dazu die Seite Felder

(2) Jay Orear, Physik, C. Hanser Verlag, 1985, S. 448


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Aktualisiert:7.12.2015, Copyright: G. Dinglinger, 41564 Kaarst  Mail: gdinglinger@gmx.de