(07/2007)
Zusammenfassung:
Als
Kepler vor etwa 350 Jahren seine
berühmten drei Gesetze über die Planetenbewegungen aufstellte, standen ihm,
nach unseren Begriffen, recht einfache Beobachtungsinstrumente zur Verfügung
und Newton sollte erst noch
geboren werden. Diese drei Gesetze genügten bis heute, um ausreichend das
Himmelsgeschehen vorauszusagen, wobei kleinere Abweichungen heute von
Großrechnern durchaus einkalkuliert und korrigiert werden können. Das erklärt
aber nicht, warum die ganze Zeit niemand, insbesondere nachdem Newton Fragen der Gravitation geklärt
hatte, einige Ungereimtheiten dieser Gesetze kritisch untersucht oder
verbessert hat.
Diese genaueren Zusammenhänge werden im Folgenden erläutert. Daraus folgt die Anwendung der Kreiseltheorie auf Gestirne und Rotationssysteme von Gestirnen, sowie die Berechnung von Nutation, Präzession und konventionelle Berechnung der Perihelbewegung des Merkur, die Einstein mit Hilfe der Relativitätstheorie glaubte erklären zu können.
1. Newton
Die Newtonschen
Gravitationsgesetze besagen, dass ein System zweier Körper einen gemeinsamen
Schwerpunkt hat, der auf der direkten Verbindungslinie zwischen den beiden
gedachten Punktmassen liegt. Das gilt zum Beispiel auch für die Körper Erde und
Mond, wobei der gemeinsame Schwerpunkt SP
in diesem Fall wegen der wesentlich geringeren Masse des Trabanten innerhalb des
Körpers der Erde liegt.

Abb. 1
Im Bereich unserer Erfahrungswelt handelt es sich bei
Gestirnen im allgemeinen um gewaltige Massen eines Zentralgestirns und um
Satelliten, deren einzelne Masse um 10er-Potenzen geringer ist, als die des
Zentralgestirns. Deshalb ist es verständlich, dass die Existenz eines, nur
geringfügig aus dem Zentrum des größeren Körpers verschobenen Schwerpunktes des
Gesamtsystems, von Kepler
gedanklich und rechnerisch unterdrückt wurde, zumal der dadurch entstehende
Fehler zunächst gering ist.
Die genaue Betrachtung zeigt allerdings, dass die Rotation des Systems nicht nur darin besteht, dass der Satellit um den „Zentral“-körper rotiert, sondern dass beide Körper um den gemeinsamen Schwerpunkt rotieren (s. K.Lindner, Fachbuchverlag Leipzig, 2. Aufl. 1997, Kap. 3.1 S. 53) . Für den größeren Körper ist der Rotationsradius zwar gering, aber nichtsdestoweniger vorhanden. Somit beschreibt nicht nur der Mond, sondern auch die Erde zwar keinen exakten Kreis, sondern eine elliptische Bahn um sein zentrales Gestirn.
Diese gleiche Überlegung gilt ebenso für
die übrigen Planeten unseres Sonnensystems.
Die im dritten Gesetz von Kepler
getroffene Vereinfachung
T22 / T32 = a23 / a33,
gilt nur, wenn das Zentralgestirn
wesentlich massereicher als seine Planeten ist, wobei die Indizes für die
beiden Planeten M2 und M3 stehen, und a die
entsprechenden Abstände von der Sonne bedeuten, und wenn es sich um kreisförmige Umlaufbahnen handelt.

Abb. 2
Das trifft im Fall unseres Sonnensystems
weitgehend zu, verstellt aber leicht die Übersicht über die tatsächlichen
Zusammenhänge, die im folgenden genauer erläutert werden sollen.
2. Kepler
hat seine empirischen
Gesetze aus Beobachtungen am System Sonne-Planeten entwickelt, also an
elliptischen Planetenbahnen mit sehr geringen Exzentrizitäten, sowie an
Systemen mit außerordentlich großen Unterschieden zwischen den beteiligten
Massen. Aber bereits bei der Bahn des Planeten Pluto (ε = 0,248) treten erhebliche Differenzen zwischen Theorie
und Wirklichkeit auf.
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I. Gesetz von Kepler:
Die Behauptung, dass alle Planeten sich auf Ellipsenbahnen bewegen, in deren
einem Brennpunkt die Sonne steht, ist also
eine Annäherung, die nur damit zu rechtfertigen ist, dass die Sonnenmasse die
Massen der einzelnen Planeten gewaltig übertrifft. Richtig ist, wie oben gesagt,
dass allgemein zwei oder mehrere beteiligte Massen (Gestirne, Satelliten, etc.)
um einen gemeinsamen Schwerpunkt rotieren, der seinerseits sich im Mittelpunkt
einer Kreisbahn oder in einem Brennpunkt einer Ellipse befinden muß. Die
Konsequenz aus diesem Zusammenhang ist eine notwendige Korrektur des
III. Gesetz(es) von Kepler:
Die Quadrate der Umlaufzeiten T1
und T2
zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen der großen Halbachsen a1 und a2.
Korrekt ist
dagegen, dass sich die Umlaufzeiten wie nachfolgend verhalten:
T22 / T32 =
D23 / D33 * (M1 + M2 + M3)
/ (M1+ M2)
D33 / T32 = D23 / T22 * (M1 + M2 + M3) / (M1+ M2)
Man sieht hieran, dass das dritte Kepler-Gesetz streng genommen nur gilt, wenn (z.B. beim
3-Körperproblem) der Faktor (M1+M2)/(M1+M2+M3) ≅ 1 wird,
also wenn
M1 » (M2+M3). Auch darf streng genommen nicht das Verhältnis von
dritter Potenz des Umlaufradius zur zweiten Potenz der Umlaufzeit (a3/T2) betrachtet, sondern statt a muß die Distanz D der entsprechenden Schwerpunkte eingesetzt werden.
II. Gesetz von Kepler:
Ein von der Sonne zu einem Planeten
gezogener Leitstrahl überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen.
Die Postulierung, dass der Leitstrahl, also die
Verbindungslinie zwischen einem Satelliten P und dem einen Brennpunkt F
seiner Umlaufbahn um das Zentralgestirn ZG in gleichen Zeiträumen ∆t
= (t – t0) gleiche
Ellipsenflächen S(t)
überstreicht, beruht, wie schon gesagt, auf Beobachtungen an Umlaufbahnen mit
sehr geringer Exzentrizität e.
Da alle Beobachtungen für die Richtigkeit dieser These sprechen, werden die
daraus errechneten Ergebnisse im folgenden als Vergleich benutzt.
Wir
erhalten aus dieser Überlegung also folgenden Zusammenhang:
Sn =
0,5*aP*bP* (En – sin En) und ΔS = Sn+1 - Sn
Man
erhält somit eine Beziehung, aus welcher der zugehörige Winkel E nicht implizit, sondern nur durch Iterationsrechnung
(was allerdings mit Hochleistungsrechnern kein Problem mehr ist) zu bestimmen
ist.
3. Trägheitsmoment
und Drehimpuls:
In
der Abbildung 4 wurden die Ergebnisse dieser Operation für eine Ellipse mit der

Abb. 4
Exzentrizität
von ε = 0,5 aufgezeichnet, wobei
eine volle Umdrehung in n = 250 Schritte aufgeteilt wurde.
Das
Trägheitsmoment des rotierenden Systems ist
J = MZG * rZG2 + MP * rP2 + ΘZG
+ ΘP (nach
Steiner)
= rP2 * MP * (MP / MZG +1) + Θ
wobei Θ = ΘZG + ΘP = 0,4 * MZG
* RZG2 + 0,4 * MP * RP2,
RZG
der Radius des Zentralgestirns und RP der Radius des Planeten sind. Wenn man
setzt: MP * (MP / MZG +1) = ζ ist
das Trägheitsmoment eines Systems umeinander rotierender Körper nur noch J’ = (J – Θ)/ζ = f(rP2).
Den konstanten Drehimpuls L = J*ω kann man nun aus dem Produkt des mittleren Trägheitsmoments Jm = ∑ Jn/n mit der mittleren Winkelgeschwindigkeit ωm = 2*π/Tsid errechnen. Wie aus Abbildung 4 zu sehen ist, ändert sich pro Schritt (n) die Winkelgeschwindigkeit im Aphel wesentlich geringer als in anderen Positionen. Deshalb ist empfehlenswert den Drehimpuls L aus den Werten ωAp und
JAp = a2 (1 + ε2)*ζ

Abb. 5
Die
beschriebene Prozedur durchgerechnet für alle Ellipsen mit 0 < ε < 1 ergibt die Abhängigkeit, wie sie in Abbildung 5 dargestellt ist. Die
dort aufgezeichnete Kurve folgt der Gesetzmässigkeit
(Jm – Θ)/C = 1,5 * e2 + 1
Weitere
Lösungen (s. Abb. 3) mit Einsetzen der siderischen Umlaufzeit des Planeten:
Em =
ArcCos [(1 – (1,5*ε2
+ 1)0,5)/ε]
aP3 = (G*MZG*Tsid2)/[(1+MP/MZG)2*4*π2*(1-ε*cos Em)3]
aZG =
MP/MZG*aP
rP2 = xP2 + yP2 = (xP - eP)2 + bP2 * sin2 E
= aP2 * (cos E – ε)2 + aP2 * (1 – ε2) * sin2 E
= aP2*(cos2E – 2*ε*cosE + ε2
+ 1 – cos2E - ε2 + ε2* cos2E)
=
aP2 * (1 – 2 * ε*cos E + ε 2*cos2
E) = aP2 *(1 - ε *cos E)2
rP =
aP *(1 - ε*cos E)
rPm =
aP*(1 – ε *cos Em) rZGm =
aZG*(1 – ε *cos Em)
Fm =
G*MZG*MP/Dm
= G*MZG*MP/(rZGm
+ rPm)
T = MP*4*π2*rPm/Fm)0,5
ωm = 2*π/T
L = Jm*ωm oder:
T2 =
4*p2*rZGm*(rZGm + rPm)2/(G*MZG)
=
4*π2*aP*(aP + aP*MP/MZG)2*(1 – ε*cos
Em)3/(G*MZG)
Damit:
aP3 = T2*G*MZG
/ (4*π2*(1 + MP/MZG)2 * (1 – ε*cos Em)3)
Beispiel 1:
So lässt sich u. a. die grosse Halbachse aM
= aP der elliptischen Bahn des
Mondes um die Erde berechnen. Mit:
T =
2,3606*106 [s] ≡ 27,32 [d]
MM =
MP = 7,35*1022
[kg]
ME =
MZG = 5,9742*1024
[kg]
ε =
0,0549
ist Em =
1,61194 ≡ 92,36 [°]
aM3 = 5,45377*1025 aM =
3,7923*108 [m]
ΘE = 9,721*1037 [kgm2] ΘM = 8,8807*1034 [kgm2]
Jm =
1,0846*1040 [kgm2] ωm = 2,6617*106 [1/s]
L =
2,8609*1034 [kgm2|s] ≡ [Js]
Jetzt
spätestens stellt sich die Frage, warum der Bahnort des Satelliten durch den
schwer messbaren Winkel E dargestellt werden soll. Die Erfahrung
zeigt, dass der interessierte Beobachter den Winkel ν (s.
Abb. 3) wesentlich besser messen kann. Da im übrigen zwischen den beteiligten
Objekten eine Gravitationsbeziehung besteht, sollte diese auch bei der
Berechnung berücksichtigt werden, auch wenn im allgemeinen die Massen der
beteiligten Objekte erhebliche Differenzen haben, welche die Masse des einen
Objektes nahezu zu vernachlässigen erlauben.
Beispiel 2:
Das Rotationssystem Erde÷Mond (s. a. Beispiel 1)
Der Drehwinkel der Rotation um den Systemschwerpunkt
ist
cos ν = (cos E – ε) / (1 – ε * cos E)
z.B. cos νm = (cos Em – ε)
/ (1 – ε * cos Em) = - 0,09581
νm = 1,6668 ≡ 95,5 [°]
rE =
aE * (1 – ε2) / (1 + ε*cos ν) [m]
rM =
aM * (1 – ε2) / (1 + ε*cos ν) [m]
Die Apsiden (Apogäum und Perigäum) sind
DAp =
(aE + aM) * (1 + ε) = 4,050*108 [m]
DPe =
(aE + aM) * (1 - ε) = 3,628*108 [m]

Abb. 6
Ist ε = 0, dann sind die Umlaufbahnen jeweils Kreise mit a
= b = r.
Beispiel 3:
Sonne und Merkur (alle Werte im kg/m/s-System):
Tsid = 7,6006*106 [s]
MS = 1,989*1030 [kg] MM = 3,3*1023 [kg]
RS = 6,96*108 [m] RM = 2,438*106 [m]
ε =
0,2056 aM = 5,7910*1010 [m]
aM =
5,6157*1010 [m]
aS =
MM/MS * aM [m]
ΘS = 3,8540*1047 ΘM = 7,8459*1035
C =
1,0407*1045 Jm =
3,86508*1047
νm = 1,7232 ≡ 98,73 [°]
Fm =
1,30597*1022 rMm =
5,7910*1010
ωm = 8,2667*10-7 L = Jm * ωm
= 3,19574*1041
Es
muß beachtet werden, dass der aus den bekannten Angaben errechnete Wert der
grossen Halbachse der Merkur-Umlaufbahn von dem in der Literatur angegebenen
Wert abweicht (s. Fettdruck). Allerdings stimmt rMm mit dem Literaturwert von aM überein.
Mit
den errechneten Werten kann nun die Umlaufbahn des Merkur in Abhängigkeit vom
Winkel n sehr viel einfacher
berechnet werden, als das über den Keplerschen
Flächensatz möglich ist.
4. Kreiseltheorie:
Wenn man akzeptiert, dass die Planeten nicht um das auf einen bestimmten Ort (einer der Brennpunkte der Umlaufellipse) fixierte Zentralgestirn rotieren, sondern dass die Gestirne ein Gleichgewichtssystem bilden, das um einen gemeinsamen Schwerpunkt gleichermaßen, ähnlich einer Hantel, rotieren, dann muß auf dieses jeweilige System auch die Kreiseltheorie zutreffen. Das ist für die Erde als momentfreier Kreisel bereits berechnet worden. Die Situation ist in der folgenden Abbildung 7 skizziert.

Abb. 7
Der Drehimpuls L und ω bilden den Winkel
α = φ – ψ
Jeder
Punkt im Abstand a von der Drehachse läuft mit der Winkelgeschwindigkeit ω, also der Bahngeschwindigkeit
v = ω * a um diese Achse.
Der Endpunkt des von O angetragenen raumfesten Vektors L läuft mit
dL/dt = ω * L * sin α
um die Drehachse. Der entsprechende Weg ist 2*π*L*sin ψ und wird in der Zeit
T =
2 * π * sin ψ / (ω * sin α) zurückgelegt.
Mit tan α = tan (φ – ψ) = (tan φ – tan ψ)
/ (1 + tan φ * tan ψ)
tan φ = ω⊥ / ω||
tan ψ = a / L|| = L * sin α /L||
= L⊥ / L|| = J⊥ * ω⊥ / (J|| * ω||)
tan α = (ω⊥/ω|| – J⊥ * ω⊥/(J|| * ω||))/(1
+ ω⊥/ω||* J⊥ * ω⊥/(J|| * ω||))
= ω⊥ * (J|| / J⊥) / (ω||
* (J|| + J⊥ * ω⊥2
/ ω||2))
und
der Tatsache, dass bei kleinen Winkeln φ und a der tan ≈ sin ≈ Winkel ist,
und dass dann auch ω⊥ « ω sowie L ≈ ω|| * J|| und dementsprechend
T = 2 * π sin ψ / (ω * sin α)
=
2*π * J⊥*ω⊥*ω||*(J|| + J⊥*ω⊥2/ω||2) / (ω *J|| *ω||
*ω⊥*(J|| - J⊥))
=
(2 * π * J⊥ / ω)
* (J|| + J⊥ * w⊥2
/ w||2) /
(J|| * (J|| - J⊥))
=
(2 *π * J⊥ / ω)
* (1 - J⊥ / J|| * (ω⊥2
/ ω||2)) /
(J|| - J⊥)
Da aber wegen ω⊥ « ω|| : J⊥ / J|| * (ω⊥2 / ω||2) ≈ 0 ist, wird
T = 2 * π * J⊥ / (ω * (J|| - J⊥)).
Mit J|| ~
b2 und
J ~ a * b
z.
Vergleich die Berechnung für die Erde, wobei unterschiedliche Dichte des Erdinnern mit berücksichtigt wurde:
Θzz = 2/5 * M * b2 = 7,95414*1037
Θyy = 2/5 * M * a * b = 7,92751*1037
und
da 2
* π / ω = 1 [Tag],
sowie mit der, in der Literatur angegebenen Berechnungsmethode ergibt sich:
T = 2*π *a /(ω*(b – a)2) = 1 / 0,003358873 = 297,72 [d] ≈ 300 [d]
Nun
ist aber die Chandler-Periode mit
430 Tagen gemessen worden. Korrigiert man den Wert von Θyy mit
dem Faktor x = 1,001030958 auf
Θyy = 7,93568*1037,
erhält man
κ = (Θzz – Θyy) / Θyy
T = 2 * π / ω * 1 / κ = 1 / 0,002325581 ≡ 430 [d]
Ein
Fehler von 0,1 % bei der Bestimmung der Massenträgheitsmomente wirkt sich also
ganz erheblich auf die Berechnung der Nutation aus. Dabei ist die Bestimmung
der Massenträgheitsmomente ohnehin problematisch, denn die Dichte von
Himmelskörpern ist kaum exakt messbar und sowieso abhängig von der Entfernung
zu ihrem Kern, wobei auch die Abmessungen der Körper (z. B. Abplattung,
unterschiedliche Entfernung der Pole vom Massenmittelpunkt, etc.) nur ungenau
bestimmt werden können.
Umgekehrt
formuliert: Das Gleichgewicht des Kreisels ist ausserordentlich empfindlich, da
schon geringste Abweichungen zu erheblichen Differenzen der Präzessionsperiode
führen würden. [In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welchen
Einfluss die, durch exzessiven Verbrauch fossiler Ressourcen verursachte
Klimaveränderung und das damit verbundene Abschmelzen der Polkappen –
insbesondere in der Antarktis – , auf die Drehung der Erdachse und damit auf
eine möglicherweise beschleunigte Klimaveränderung hat. Würde beispielsweise
auf beiden Polkappen Eis in der Dicke von x ≈ 100 m abschmelzen und daraufhin
der Wasserspiegel am Äquatorwulst um ca. y ≈ 50 m erhöht werden, dann würde
sich die Chandler-Periode
rechnerisch auf ca. 426 Tage verkürzen. Würde etwa die Hälfte (x ≈ 1000 m) des
Polkappeneises abschmelzen, würde sich der oben angegebene Rechenwert auf etwa
390 Tage (y ≈ 500 m) einstellen.]
5. Saros-Zyklus
Dieser
Zyklus lässt sich ebenfalls aus der Kreiseltheorie berechnen (s. dazu Gerthsen Physik. 20. Aufl. 1999, S. 1033).
Wenn
ΘEzz = 7,95414*1037 ΘEyy = 7,93568*1037
und
ΘMzz = 8,88069*1034 ΘMyy = ΘMzz
dann
ΘEMzz = ΘEzz + ME*rSPE2 + ΘMzz + MM*rSPM2
= 1,201483*1040
ΘEMyy = ΘEyy + ME*rSPE2 + ΘMyy + MM*rSPM2
= 1,201464*1040
κ = ΘEmzz / ΘEmyy – 1 = 0,0004041567
T =
0,07476267 / κ ≈ 18,5 [a]
Wie
bei der Berechnung der Nutation (Chandler-Periode),
ist auch bei dem Kreiselsystem Erde÷Mond das Gleichgewicht ausserordentlich
empfindlich. Die Berechnung der Massenträgheitsmomente ist in der oben
gezeigten Genauigkeit gar nicht möglich, aber schon kleinste Abweichungen von
den angegebenen Werten führen zu erheblichen Differenzen der Periodendauer T.
Es
bietet sich also an, die Massenträgheitsmomente, bzw. zumindest das Verhältnis Θzz/Θyy beider
Massenträgheitsmomente der Gestirne aus den beobachteten Präzessionsperioden zu
bestimmen, wie das hier durch geringe Korrekturen geschehen ist.
6. Präzession der
Erdachse
Mit
den Werten der Massenträgheitsmomente von oben ergibt sich für den Kreisel
Sonne÷Erde:
ΘSzz = ΘSyy
= 3,855951*1047 (Sonne)
ΘEMzz = ΘEzz
+ ΘMzz = 1,201483*1040 (Erde÷Mond)
ΘEMyy = ΘEyy
+ ΘMyy = 1,196646*1040 (Erde÷Mond)
ΘSEzz = ΘSzz + MS*rSPS2 + ΘEMzz + MEM*rSPEM2
= 5,255819*1047
ΘSEyy = ΘSyy + MS*rSPS2 + ΘEMyy+MEM*rSPEM2
= 5,255615*1047
κ = ΘSEzz / ΘSEyy – 1 = 0,00003875969
T = 1/κ = 25.800 Jahre
Für
die Präzession gilt das gleiche, wie für die Nutation, bzw. den Saros-Zyklus. Schon geringste
Abweichungen von den angegebenen Werten der Massenträgheitsmomente beeinflussen
das Ergebnis für T erheblich.
7. Merkurbahn
Mit
ganz ähnlicher Rechnung lässt sich auch die Perihelbewegung des Merkur
beschreiben.
ΘSzz = ΘSyy
= 3,855951*1047 (Sonne)
ΘMzz = 2/5 * MM
* RM2 =
3,534917*1028 = ΘMyy (Merkur)
ΘSMzz = ΘSzz+ MS*rSPS2 + ΘMzz+ MM*rSPM2 = 3,872412*1047
ΘSMyy = ΘSyy+ MS*rSPS2 + ΘMyy+ MM*rSPM2 = 3,872412*1047
Wird
der letztere Wert geringfügig korrigiert, was aufgrund der ohnehin schwierig zu
ermittelnden Massenträgheitsmomente sicherlich toleriert werden kann, ergibt
sich:
ΘSMyy = 3,8724115*1047
κ = ΘSMzz / ΘSMyy - 1 = 7,990781*10-8
T = 0,2408
* 1/κ = 3.014.000 Jahre ≡ 43“/Jahrhundert
was dem beobachteten Wert entspricht (s. dazu A. Einstein, Über die spez. u. allgem. Relativitätstheorie, Vieweg, 23. Aufl., S. 84).
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