Gesetzmässigkeit
von Ellipsen
(Günter
Dinglinger: geändert 20.11.2007)
Zusammenfassung:
Kepler hat seine drei (empirischen) Gesetze über die
Bewegung von Satelliten um ihr Zentralgestirn aus ihm zugänglichen
Beobachtungen abgeleitet. Spätestens nach Veröffentlichung der Newtonschen Theorien hätten Astronomen
oder Physiker die Gesetze Keplers
exakter formulieren können. Nur die Tatsache, dass i. a. die Zentralgestirne
wesentlich massereicher als ihre Satelliten sind und in diesen Fällen die Keplersche Näherungsberechnung
ausreichend genau ist, hat zur Genügsamkeit der betroffenen Wissenschaft
verführt.
In
der Folge wird eine genauere Berechnung der Massenbewegung auf elliptischen
Umlaufbahnen vorgestellt.
Wird
ein Kreiszylinder von einer Ebene (nicht
parallel zur Zylinderachse) geschnitten (s. Abb. 1), dann entsteht als
Schnittlinie ein Kreis oder eine Ellipse.
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Abb.
1
In
der vorstehenden Abbildung sind bei drei verschiedenen Schnittwinkeln a (0, 30 und 60 [°]) ein Kreis und
zwei Ellipsen entstanden, deren eine (die
kleinere) Halbachse (b) konstant
geblieben ist, während die zweite Halbachse (a) gleich oder größer als b ist. Leicht ist zu erkennen, dass bei einem
Schnittwinkel von 90 [°] die größere Halbachse a = ∞ wird. Es bilden sich so quasi zwei Parallelen im
Abstand von 2b.
Somit
ist
sin α = y / a ; cos α = b / a ; y = e ;
mit b = (a2 – e2) 0,5 = a * (1 – ε2)0,5
wird b/a = cos α = (1 – ε2)0,5
oder ε =
(1 – cos2α)0,5
= sin α
Wie
ich an anderer Stelle ausgeführt habe, kann man bei der Berechnung von elliptischen Umlaufbahnen
davon ausgehen, dass zwei Massen stets um ihren gemeinsamen Systemschwerpunkt
rotieren, der immer einer der Brennpunkte der ähnlichen Umlauf-Ellipsen ist. In
Abbildung 2 soll es sich um zwei gleich große Massen handeln, die demzufolge
zwei gleiche Umlaufellipsen um einen gemeinsamen Brennpunkt beschreiben,
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Abb. 2
Es
ist aber auch erkennbar, dass der extreme Fall, d. h. die beiden Zylinder
berühren sich nur noch (a → ∞) bzw. ε = 1, physikalisch
nicht auftreten kann, es sei denn, die Körper rotieren in anderer Weise um
einander (s. Abb. 3). Hier sind drei Positionen angedeutet:
1. Der Zylinder wird senkrecht zu seiner Symmetrieachse geschnitten. Dann rotieren zwei gleiche Massen um den Mittelpunkt eines Kreises.

Abb.
3
2. Der
Schnittwinkel durch zwei gleiche Zylinder (Z1 und Z2)
beträgt 45 [°] ≡ sin α = 0,7071 = ε.
3. Der
Schnittwinkel durch zwei gleiche Zylinder (Z1 und Z3)
beträgt 64,2 [°] ≡ sin α = 0,9 = ε.
Wie
schon gesagt, geht bei a → 90 [°] die größere Halbchse a → ∞ und die Zylinder berühren sich an der
Mantelfläche, wobei der gemeinsame Brennpunkt F→1
direkt (bzw. nahezu) auf der Berührungslinie der beiden Zylinder läge. Diese
Situation wird nicht vorkommen, genauso wie die Situation α = 90 [°], denn die Massen würden
theoretisch im Perihel zusammenstoßen, bzw. überhaupt nicht um einander
rotieren.

Abb.4
Will
man die Berechnung der elliptischen Umlaufbahnen zweier Massen nach der
klassischen Methode vornehmen, ist man ohne elektronische Rechenmaschine mit
sehr mühsamer Rechenarbeit konfrontiert
Nach dem Flächensatz (Kepler) überstreicht die Verbindungslinie Brennpunkt (F) – Masse (P) in gleichen Zeiten gleiche Flächen (S) (siehe Abb.4)
Danach erhält man folgenden Zusammenhang (1)
S = a*b * (E – ε*sin E) / 2
Diese
Gleichung läßt sich nur durch schrittweisen Vergleich von 2*S/(a*b) = (E
– ε*sin E) lösen. Dabei wählt man die Schritte n entsprechend klein
S = a*b*π ΔS = S/n Δt = TVKr/n
Die
Umlaufzeit TVKr errechnet
sich aus
TVKr =
M2*4*π2*rVKr / FVKr
FVKr =
G*M1*M2 / DVKr2
DVKr = r1VKr + r2VKr = r2VKr*M2/M1 + r2VKr
= r2VKr*(M2/M1+1)
Die
Masse M2 rotiert in diesem
Fall auf einer zweiten elliptischen Bahn, die ihren Brennpunkt ebenfalls im
Brennpunkt F hat und die die
gleiche numerische Exzentrizität ε wie die erste Ellipse hat. Dabei steht der Index VKr für den Wert eines vergleichbaren
Kreises mit dem Radius r2VKr,
wobei TVKr die für die
Masse M2 gleichwertige
Umlaufzeit (Richtstrahl: F÷P) sein soll. Dann ist die Winkelgeschwindigkeit
ωVKr = 2*π/TVKr
und
der Drehimpuls das Produkt aus Trägheitsmoment und Winkelgeschwindigkeit
L = JVKr*ωVKr.
Bei
der Berechnung einer Ellipse kann man also annehmen, dass zwei Massen M1 und M2 um einen gemeinsamen Brennpunkt Fe als Schwerpunkt des
Rotationssystems rotieren, wobei die mittleren Entfernungen rVKr der Massen vom Schwerpunkt sich
umgekehrt zum Verhältnis der Massen verhalten
r1VKr =
r2VKr * M2/M1 [m] = a2
* (1,5*ε2+1)
JVKr =
M1*r1VKr2 + M2*r2VKr2 = (M1*a12
+ M2*a22) * (1,5*ε2+1)
=
C * (1,5*ε2+1) [kg m2]
Für
die Praxis ist zunächst nur TVKr
interessant, weil sich daraus die Halbachsen a und b
eines Systems zweier rotierender Massen errechnen lassen, wie z. B.
Merkur÷Sonne:
aM3 = G*MS*Tsid2 / ((MM/MS+1)2*4*π2*(1,5*ε2+1)1,5)
Setzt
man die beobachteten Daten (z. B. die siderische Umlaufzeit des Planeten Merkur
mit Tsid = 7,6006*106
[s] ≡ 87 [d] 23 [h] 16 [']
48["]) ein, erhält man
aM =
5,6157*1010 [m]
Berechnet
man nun Ellipsen nach der ersten (mühsamen) Methode, erhält man mittlere
Trägheitsmomente JVKr, die
nur noch vom Trägheitsmoment des Kreises C (a1 = a2) und den entsprechenden numerischen
Exzentrizitäten ε abhängen (siehe Abb. 5).

Abb.
5
In
Abbildung 5 bedeutet K = (1,5*ε2+ 1)0,5 und
die dort aufgeführten Kurven von unten nach oben:
K-1,5; K0,5; K; K1,5;
K2
TVKr = A*K1,5
mit A =2*π*(M2/M1+1)*(a23/(G*M1))0,5
ωVKr = B*K-1,5
mit B =2*π / A
JVKr = C*K2
mit C = M1*a12 + M2*a22
L = D*K0,5
mit D = C*B
Da
ein Rotationssystem von Sternen keinerlei äußeren Einflüssen, d. h. Energiezu-
oder abfuhr) ausgesetzt ist, kann davon ausgegangen werden, dass das Drehmoment
L des Systems konstant bleibt. Also gilt
r2VKr =
a2 * (1,5*ε2 + 1)0,5 = a2 * K
womit
TVKr, ωVKr und letztlich L für alle möglichen Rotationssysteme
nach den obigen Beziehungen schnell errechnet werden können.
Nun
muß allerdings darauf geachtet werden, dass sich in einer Ellipse mit gegebenen ε sowohl ω als auch J laufend
mit r ändern. Der Drehimpuls L bleibt dagegen konstant.
J = r12*M1 + r22*M2 = r22*M2*(M2/M1+1)
= r22* ζ
Die
Berechnung nach dem 2. Gesetz von Kepler
zeigt, dass ∑Jn / n = JVKr
, also mit dem Trägheitsmoment des Vergleichskreises übereinstimmt, für die
Berechnung des Drehimpulses L ist
es aber vorteilhafter, das Trägheitsmoment im Aphel (JAp) zu berechnen, weil dort die
Winkelgeschwindigkeit (ωAp)
ein Minimum hat, bzw. sich von Schritt n
zu Schritt (n+1) nur sehr wenig
ändert.
r2Ap = a2 + e2 = a2*(1+ε)
= b2*(1+ε)/(1-ε2)0,5
JAp =
b22*(1 + ε)2/( 1-ε2)*ζ = b22* ζ *
ue

Abb.
6
Inn
Abb. 6 wurden die Werte J, ω und L für eine Ellipse mit der Exzentrizität ε = 0,2 über dem Quadrat des jeweiligen Leitstrahls r aufgetragen. Da J = f(r2), bildet sich die Funktion als Gerade ab.

Abb.
7
In Abb. 7 sind die gleichen Werte über dem
reziproken Quadrat des Leitstrahls aufgetragen. Hier wird ω = f(1/r2) und L = const
abgebildet. L = f(1/r2* r2) bleibt selbstverständlich in beiden Abbildungen konstant.
Ganz
ähnlich verhalten sich diese Werte für andere numerische Exzentrizitäten.
Ist,
wie im Fall von ε = 0,2 der Wert
für L und ω = f(1/r2)
bekannt, können zu jedem Winkel ν die Positionen des umlaufenden Satelliten unkompliziert berechnet werden
ε = 0,2; L = 0,8818
ζ =
M2*(M2/M1 + 1)
ω = L/J = L/(r2*ζ)
r2Ap = a2 + e = a2*(1 + ε)
Zur praktischen Berechnung
wurde ein Rotationssystem zweier gleicher
Massen (M1 = M2 = 1) angenommen, die mit jeweils gleicher
Geschwindigkeit um ihren gemeinsamen Schwerpunkt rotieren, der sich auf der
Mitte des Abstandes zwischen beiden Massen befindet. Man kann die Massen als
Punktmassen annehmen, weil noch nicht Präzession oder Nutation berechnet werden
soll, deren Masse jeweils im Zentrum des Körpers versammelt ist.
Rechnet man entsprechend O. Montenbruck
(s. Zitat 2) für elliptische Umlaufbahnen mit einer numerischen Exzentrizität ε = 0,5 und einer Halbachse a2 = 1, dann erhält man
e2 = a2*ε = 0,5;
b2 = (a22
– e22)0,5 = 0,86603
JVKr = M2*a22*(1 + M2/M1)*(1,5*ε2 + 1)
= 2,75
r2VKr = [JVKr / (M2*(1 + M2/M1))]0,5
= 1,1726
TVKr = Tsid
= 2*π*(1+M2/M1)*(r2VKr3/(G*M1))0,5
= 15,9565
Zweckmäßig wählt man nun ein genügend
kleinen (mit n = 3600) Zeitschritt
Δt = Tsid/n = 4,4324*10-3
Was gleichbedeutend ist mit
ΔS = S/n = π*b2*(1 – ε2)-0,5
= 7,5575*10-3
Vergleicht man 2*S/(a*b) = E – ε*sin E durch Einsetzen von E, ergibt sich dann im Aphel
n 1799 1800 1801
S = Δs*n 1,3596 1,3603 1,3611
2*S/(a2*b2) 3,139847 3,141593 3,143380
E 3,140429 3,141593 3,142756
E
– ε*sin E 3,139847 3,141593 3,143380
x2
= a2*cos E – e2 -1,5000 -1,5000 -1,5000
y2
= a2*sin E*(1-ε2)0,5 0,001007 0,000000 -0,0010077
ν = Arctan (y2/x2) -0,0006718 0,0000000 0,0006718
r2
= p2 – ε*x2 1,50000 1,50000 1,50000
J
= r22*ζ 4,499998 4,500000 4,499998
Δν 6,717776*10-4
ω= Δν/Δt 0,151562289
L
= J*ω 0,682030
Führt man diese Rechnung auch für
elliptische Umlaufbahnen mit anderen numerischen Exzentrizitäten aus, wobei die
Halbachse b2 = 0,86603 konstant gehalten wird, erhält man eine Kurve
für Δν = f(ε) wie in Abbildung 8. Diese Kurve gilt
für alle elliptischen Umlaufbahnen.

Abb. 8

Abb.
9
In
Abbildung 9 sind die Winkelgeschwindigkeiten im Aphel unter den hier gegebenen
Bedingungen in Abhängigkeit von der numerischen Exzentrizität ε (bzw. in Abb.
10 als f(1/rAp2)) aufgezeichnet.

Abb.
10
Für das Rotationssystem Sonne÷Merkur gilt
dementsprechend:
Δt = 7.6006*106 / 3600 = 2111,28
ζ = M2*(M2/M1 + 1)
= 3,168*1023*(3,168*1023/1,989*1030+1)
=
3,1678*1023
ε = 0,2056 ; Δν =0,001175147
ωAp = Δν/Δt = 5,566*10-7
JAp = ωAp *
ζ = 1,452*1045
L = JAp * ωAp
= 8,0821*1038

Abb. 11 (s.a. Abb. 7)
Möchte man wissen, zu welchem Zeitpunkt
nach dem Perihel (t = 0) sich der Merkur am Ort
ν = 30,63 [°] entsprechend ν = 0,5346
befindet, gilt folgende Rechnung:
rν = pMe / (1 + ε*cos ν)
= 4,569865*1010 [m]
cos
E = (xν + eMe)
/ aMe = (rν*cos ν + eMe) / aMe =
0,9058
z = E – ε*sin E = 0,3504
Sν = z * aMe* bMe /2 =
5,406733*1020 [m2]
Tsid/SMe = 7,8391*10-16 Tν = Sν * Tsid/SMe
=4,238391*105 [s]
≡ 4 [d], 21 [h], 43 [min], 59,1 [s]
ζ = 3,1678*1023 Jν = rν2*ζ = 6,615551*1044 [kg m2]
ων = LMe/Jν = 1,221679*10-6 [1/s]

Abb.
12

Abb. 13
(1) O. Montenbruck/T. Pfleger; Astronomie m. d. PC;
Springer Verlag, 1991, S. 56 ff.
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